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Legende und Wiederentdeckung der Perle
Die ersten Aufzeichnungen in Verbindung mit den Perlen stammen
aus China, Indien und Ceylon, lange vor der Zeit des römischen
Perlenkults. Nach dem altertümlichen indischen Buch Rigveda (1000
v. u. Z.) hat Krishna anlässlich der Hochzeit seiner Tochter von
der Tiefe des Meeres Perlen heraufgebracht.
Der römische Geschichtsschreiber Olinius Secundus aus dem I. Jh.
v. Chr. hat die Perle für das teuerste Geschenk gehalten. Cleopatra
wollte Antonius verblenden, sie löste ihre kostbarste Perle in
einem Kelch Essig auf und trank das Getränk, so wollte sie ihm
ihren unmessbaren Reichtum beweisen.

Der Perlenkult ist mehrere Tausende Jahre alt, er lebt auch noch
heute und der Anspruch darauf ist sogar zu Beginn des XXI. Jahrhunderts
immer größer geworden.
In der Modewelt wird das Jahr 1996 als das Jahr der spektakulären
Wiederkehr der Perle betrachtet. Da geriet dieses wunderbare Geschenk
der Natur wieder in den Mittelpunkt des Interesses der Schmuckhändler,
der Medien und nicht zuletzt der Damen. Der Kult und die Aufmerksamkeit
ist auch seit damals ungeschwächt, was in großem Maße der wunderschönen,
sinnlichen und mystischen Tahiti-Perle zu verdanken ist.
Das folgende Zitat versucht, ihre auf die Frauen ausgeübte magische
Wirkung auszudrücken:
"Ihre größte Macht ist vielleicht ihre Tiefe. Die Augen sind
nicht fähig, sich auf ihrer Oberfläche zu beruhigen. Sie zieht
einen an, wie das lauwarme, tropische Meer." (Adler)
Verschiedene Sorten der Zuchtperle
Echte Perlen bilden sich auch in unseren Tagen, aber nur etwa
in jeder zwanzigtausendsten Muschel! Die Perle, das einzige Schmuckstück,
das sich in der Wasserwelt bildet, kann sowohl in der im Süßwassser
als auch im Meerwasser lebenden Auster entstehen.
Die Perlenzüchtung in den im Süßwasser lebenden Muscheln reicht
bis in das Altertum zurück. 90 % des Perlenangebotes der Welt
kommt aus China, Japan und aus den USA.
Mehr als 70 im Meerwasser lebende Muscheln sind zum Zustandebringen
einer Perle geeignet, die meisten von ihnen gehören zur Familie
"Pinctada". Manche Muscheln sind wegen ihrer Schale,
andere wegen der in ihnen entstandenen Perle gefragt.
In der letzten Gruppe gibt es zwei bemerkenswerte Hauptsorten:
- die Perlenmuscheln "Pinctada Martensii" oder Fucuta
leben hauptsächlich in japanischem, koreanischem und chinesischem
Meerwasser, in ihnen entsteht die Akoya-Perle;
- die Perlmuscheln "Pinctada Maxima" und "Margaritifera"
leben im Pazifischen Ozean. Mit der Perlmuschel Pinctada Martensii
hat Mikimoto die Technologie der Perlenzüchtung entwickelt.
Die Naturschäden und die vermehrte Züchtung von Süßwasserperlen
in China (welche gefälliger und von besserer Qualität sind) machen
die Zukunft der Akoya-Perle aus Japan unsicher. Die viel billigere
chinesische Perle sieht wie die Akoya aus und beirrt auch die
Experten sehr oft, so bedeutet sie eine große Konkurrenz.
Die Südseeperlen
In der anderen Hauptsorte der Familie Pinctada, in der Riesenperlmuschel
entsteht der Typ, der mit Recht "Perlenkönigin" genannt
wird.Die Pinctada Maxima ist in der Nähe der Küsten von Thailand,
Indonesien, Nordaustralien, Papua-Neuguinea und der Philippinen
in 100-200 m tiefen Gewässern heimisch. Die Pinctada
Margaritifera lebt hauptsächlich unter den Korallriffen, in
den türkisblauen Lagunen von Französisch-Polynesien. Das sind
die Perlensorten, die wegen ihrer bedeutenden Größe, ihrer schönen
und abwechslungsreichen Farbtöne und ihrer Dauerhaftigkeit bei
den bekanntesten Juwelieren und den Fans einen reißenden Absatz
finden zumal sie auch nur in ziemlich kleiner Menge vorkommen.
Die Farmen, wo die speziellen Tahiti-Perlen in schwarzlippigen
Pinctada Margaritifera-Muscheln wachsen, befinden sich in Französisch-Polynesien
(Inselgruppe Tuamotu). Die Jahresproduktion beträgt etwa 6 Tonnen,
davon gibt es aber nur ca. 60 kg Perlen von erster Qualität. Man
muss aber auch wissen, dass sich die Investitionskosten einer
mittelgroßen Perlenfarm auf mehrere Millionen Dollar belaufen
und dass man auf den ersten Perlenertrag 5-6 Jahre lang warten
muss. Während dieser Jahre sind für sie Viren, Hurrikane, Zyklone
und Schmutzstoffe verhängnisvoll.

Zucht der Tahiti-Perle
Die Einsetzung, die zur Perlenzucht nötig ist, wird von japanischen
Meistern verrichtet. Dazu muss man ein Hautgewebe aus einer anderen
Muschel in Stücke von 3x3 mm schneiden, es wird dann mit einem
sogenannten "Nucleus" zusammen in die Muschel eingesetzt.
Den Nucleus bekommt man aus der Schale einer Muschel, die im Fluß
Mississippi lebt. Falls diese Einsetzung erfolgreich ist, dann
sondert die Muschel eine Schicht aus Protein, Kalziumkarbonat,
Wasser und aus verschiedenen Mineralstoffen auf den Nucleus ab.
Je mehr Schichten aufeinander zu finden sind, desto schöner ist
der innere Glanz der Perle und desto teurer ist sie.
Die Muscheln werfen im Allgemeinen die Hälfte der eingesetzten
Nuclei aus, sodass die Absonderung auf einem Nucleusstückchen
in diesen Fällen nicht vollständig ist. So entsteht die sog. "Keshi",
eine amorphe Perle von kleinem Format. Sie ist nicht besonders
kostbar, aber beliebt bei den Schmuckkonstrukteuren wegen ihrer
besonderen Form.
Bei der Züchtung der Halbperle (Mabe) wird der Nucleus unmittelbar
auf die Schale der Muschel, unter das Hautgewebe eingesetzt, dann
beginnt die schon früher beschriebene Aussonderung. Die Mabe wird
danach aus der Muschelschale ausgeschnitten, auf ein Perlmuschelstück
von gleichem Typ gesetzt, vom Goldschmied umgeschliffen und eingefasst.

Was bestimmt den Wert der Perle?
Natürlich die Nachfrage und das Angebot. Heutzutage sind die
Seeperlen, besonders die Südseeperlen (South Sea Pearls) am teuersten.
Bei der Pinctada Maxima sind die rosagetönten vertvoller als die
anderen. Bei der Pinctada Margaritifera ist die Nachfrage nach
der Farbe veränderlich.
In den Sotheby-Auktionen fanden die grau- und schwarzgetönten
Perlen jahrelang einen reißenden Absatz , heute sind lieber die
grüngetönten gefragt.
Objektive wertbestimmende Faktoren
Größe
Der Wert der Perle nimmt parallel zum Durchmesser exponential
zu (eine Perle von erster Qualität mit einem Durchmesser von 14
mm kostet mehr als 7000 Dollar).
Oberflächenglanz
Das heißt die Lichtreflexion von der Oberfläche der Perle (je
größer die Reflexion ist, desto teurer ist die Perle).
Oberflächenfehler
Wenn es auf der Oberfläche der Perle keine Fehler gibt oder auf
weniger als 10 % der Oberfläche nur ein paar kaum sehbare Fehler
zu erkennen sind, handelt es sich um eine Ware erster Klasse.
Wenn aber darauf Ungleichmäßigkeiten oder Krater zu finden sind,
dann fällt natürlich ihr Wert.
Form
Am wertvollsten sind die kugelförmigen, aber es gibt auch halbkugel-,
knopf-, birnen- und tropfenförmige, gerippte Perlen. Die gerippten
(circle) Perlen sind sehr beliebt, die werden am meisten als Gehänge
verwendet.
Wie soll man mit der Perle umgehen?
Die Perlen sind schön, damit wir sie tragen: so werden sie noch
schöner.Um sich an ihnen lange Zeit ergötzen zu können, muss man
mit ihnen richtig umgehen. Da sie sowohl Wasser als auch Protein
enthalten, müssen sie vor Wärme und Trockenheit geschützt werden,
sonst vertrocknen sie und bekommen einen Spalt. Die Aragonitkristalle
in den Perlen sind gegen die Chemikalien und Säuren sehr empfindlich,
deshalb empfiehlt es sich, sie von Zeit zu Zeit mit mildsalzigem
Wasser abzuspülen und mit weichen Textilien abzutrocknen. Sie
dürfen nicht mit anderen Schmucksachen zusammen gelagert werden,
sonst können sie zerkratzt werden. Sie müssen vor Parfümen, Haarlack
und vor laugigen und säurehaltigen Flüssigkeiten geschützt werden.
Lassen Sie einen Juwelier Ihre Schwarzperlenschmuckstücke von
Jahr zu Jahr prüfen, um sich Gewissheit zu verschaffen, dass sie
stabil befestigt sind, bzw. ob die Perlenkette neu aufzuziehen
ist.
Bielek Elemér
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